Der ökologische Pfotenabdruck

Definition und wie du ihn für deinen Hund verringern kannst

Der ökoligische Pfotenabdruck: Definition und wie du ihn für deinen Hund verringern kannst

Der ökologische Pfotenabdruck und der 29.7.2019

Der 29.7.2019 ist das Welterschöpfungsdatum für 2019. Der Tag, an dem wir die Biokapazität der Erde aufgebraucht haben.

Jährlich berechnet das Global Footprint Network diesen Tag aufs Neue. Seit Jahren sind die Ressourcen schon Monate vor Neujahr nicht mehr im jährlichen Budget enthalten.

Der Earth Overshoot Day 2019 ist bereits Ende Juli erreicht. Das beudetet, dass die Natur 1,75-mal schneller genutzt wird, als sich die Ökosysteme regenerieren können. Wir bräuchten also mittlerweile schon 1,75 Erden um die Nachfrage an Ressourcen zu decken

Um den Welterschöpfungstag zu errechnen stellt man die Biokapazität der Erde dem ökologischen Fußabdruck gegenüber.

Beim stetigen Wachstum der Bevölkerung werden bereits vor 2050 die Ressourcen dreier Erden benötigt, um der Nachfrage der Menschheit gerecht zu werden.

In diesem Artikel erfährst du, wie sich der Fußabdruck berechnet, wie er mit dem ökologischen Pfotenabdruck deines Hunde zusammenhängt und wie du ihn reduzieren kannst.

Der ökologische Fussabdruck

Ein Hilfsmittel um die Ressourcen und das ökologische Budget der Erde im Blick zu behalten ist der bereits oben erwähnte ökologische Fußabdruck. Das ist eine Art „Buchhaltungssystem für die Umweltressourcen unserer Erde“.

Er wurde von den Wissenschaftlern Mathis Wackernagel und William Rees in den 90er Jahren geprägt. Er beschreibt den Vergleich zwischen Angebot und Nachfrage in Bezug auf die Ressourcen unserer Erde.

Die Angebotsseite wird aus der Biokapazität der Erde errechnet. Also welche Fläche der Planet hat und wie unterschiedlich die biologische Produktivität der Erde ist.

Die Nachfrageseite berechnet, wie viel dieser Biokapazität der Mensch nutzt (fussabdruck.de).

Seit den 80er Jahren befinden sich die meisten Länder in einem ökologischen Defizit. Das heißt, dass mehr Biokapazität genutzt wird, als ihnen eigentlich zur Verfügung steht.

Vor allem in Deutschland verbraucht die Bevölkerung pro Jahr mehr als doppelt so viele Ressourcen als das Land zur Verfügung hat. Das hat zur Folge, dass Teile des ökologischen Fußabdrucks ausgelagert und Ressourcen anderer Länder genutzt werden.

Als Beispiel ist hier vor allem der Import von Soja als Futtermittel in der Landwirtschaft zu nennen. In manchen Ländern, vor allem kleineren oder auch dritte Welt Ländern, führt ein ökologisches Defizit zu schlimmen Folgen. Kollaps des Ökosystems, Hungersnot und Krieg sind nur ein Bruchteil davon.

Wie viele Erden brauchst du?

Australien ist derzeitiger Spitzenreiter im „Erden verbrauchen“, ganze 5,4 Erden um genau zu sein. Tortzdem spielt vor allem die westliche Welt einen großen Faktor im Vorrücken des Welterschöpfungstages.

Deutschland, Großbritannien und Frankreich würden je drei Erden benötigen, Italien 2,7 und Spanien 2,1 Erden.

Der ökologische Fußabdruck wird in biologisch produktiver Fläche angegeben. Die Maßeinheit sind hierfür globale Hektar (gha). Die zurzeit verfügbare Biokapazität beträgt 1,7gha pro Person, der weltweite Durchschnitt liegt jedoch bei 2,8gha.

Dennoch gibt es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern. So beläuft sich der ökologische Fußabdruck eines Deutschen auf 4,9gha während ein Einwohner aus Bangladesch einen durchschnittlichen ökologischen Fußabdruck von 0,8gha hat.

Auf vielen Webseiten kann man inzwischen seinen eigenen Fußabdruck berechnen lassen. Dabei ist es meistens erschreckend, wie hoch das Ergebnis ist.

Als Beispiel soll uns eine Vegetarier*in dienen. Sie/er hat einen eigenen Wohnraum, heizt diesen das Jahr über moderat, besitzt ein eigenes Auto, vertraut zudem auch auf die öffentlichen Verkehrsmittel und fährt ca. einmal im Jahr in den Urlaub. Deren ökologischer Fußabdruck beläuft sich dennoch schon auf ganze 4,3gha. Mit diesem Wert würde man schon 2,5 Erden benötigen.

Benötigte Erden je Land

  • Australien (5,4 Erden) 100% 100%
  • Deutschland, GB, Frankreich (3 Erden) 55% 55%
  • Italien (2,7 Erden) 50% 50%
  • Spanien (2,1 Erden) 39% 39%

Wer ist schuld am Klimawandel?

Den größten Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck hat der Ausstoß von CO₂ und Methan. Dies führt zu einer steigenden Treibhauskonzentration in der Atmosphäre und zur „Überschreitung der natürlichen Aufnahmekapazität der Ökosysteme“.

Die Menge der beiden Treibhausgase wird vor allem durch die Massentierhaltung stark erhöht. Erst im August 2019 hat der Weltklimarat IPCC einen Bericht vorgelegt, aus dem hervorgeht, wie stark sich die Einwirkungen des Ernährungssektors auf das Klima auswirken.

Im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln ist der ökologische Fußabdruck von tierischen Produkten sehr groß, da die Massentierhaltung einen hohen Flächen- und Wasserverbrauch vorweist.

Weltweit ist der Fleischkonsum besonders nach dem 2. Weltkrieg erheblich angestiegen und Fleisch wurde zum Industrieprodukt.

Ein Deutscher verzehrt pro Jahr circa 60kg Fleisch. Ein Wert, der im Vergleich zu den 50er Jahren fast doppelt so hoch ist.

Ökologischer Fußabdruck = Ökologischer Pfotenabdruck?

Nicht nur der menschliche Verzehr von Fleisch hat einen massiven Einfluss auf den Klimawandel. Auch der hohe Fleischgehalt im Tierfutter belastet die Umwelt extrem.

Die Futterproduktion in den USA verursacht einen jährlichen CO₂-Ausstoß von 64 Millionen Tonnen.  Das entspricht ungefähr einem Kohlendioxid-Ausstoß von 13 Millionen Autos pro Jahr.

In ihrem Buch „Time to eat the dog?“ von 2009 berechnen Brenda und Robert Vale den ökologischen Pfotenabdruck eines Hundes. Dieser ist das tierische Äquivalent zum menschlichen ökologischen Fußabdruck. Er soll angeblich schlimmere Umweltauswirkungen haben als ein SUV.

Laut einer Studie im Fachjournal Plus One haben Hunde und Katzen zumindest einen größeren ökologischen Pfotenabdruck als bisher bekannt. Man kann zwar die Ernährung von Mensch und Tier nicht genau vergleichen, da oft unterschiedliche Fleischprodukte für das Tierfutter verwendet werden. Jedoch geht hier der Trend in Richtung „Premium-Produkte“.

Das führt dazu, dass Tierfutter ein direkter Konkurrent der menschlichen Nahrung wird. Es landen nicht mehr nur Reste der Fleischherstellung im Tierfutter.

Pro Jahr benötigt ein ausgewachsener, normal großer Hund um die 164kg Fleisch. Wenn er 12 Jahre lang lebt, hat er insgesamt einen ökologischen Pfotenabdruck von 4.01-26.28gha.

Alleine in Deutschland brauchen Katzen und Hunde zusammen knapp 1 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr. Dabei braucht die Verarbeitung von Fleisch mehr Energie, Landfläche und Wasser als pflanzenbasierte Nahrung.

Es ist also nachvollziehbar, dass es schwer ist für Haustierbesitzer die Nachhaltigkeit bei einer rein tierischen Ernährung beizubehalten.

Aber was ist eigentlich Nachhaltigkeit?

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit beschreibt es als

„eine Entwicklung, die sowohl ökonomisch und ökologisch als auch sozial dauerhaft tragbar ist.“

Die Sicherstellung einer guten Lebensqualität der gesamten Bevölkerung, sowie die Möglichkeit die jetzige Gesellschaftsform beizubehalten.

Man möchte eine Umstellung, die ermöglicht die Bedürfnisse der Gesellschaft so zu erfüllen, dass auch die zukünftigen Generationen noch genauso, oder gar besser, leben können. 

Das Konzept wird von einigen Tierfutter-Herstellern bereits genutzt:

Sie arbeiten mit Sonnenenergie in der gesamten Herstellung,
stellen Verpackungen aus recycelten Materialien und Bioplastik her und drucken mit Soja-Farbe.

Was du über den hohen Fleischgehalt im Hundefutter wissen solltest

Ein Grund, warum Tierfutter einen so hohen Fleischgehalt aufweist, ist der Glaube, dass Hunde täglich auf eine hohe Menge Protein angewiesen sind.

Tatsächlich scheint die natürliche Vorliebe der Tiere dies zu bestätigen. Auch zeigen einige Studien, dass die Proteinmenge im Futter positiv assoziiert wird mit der Futterauswahl der Tiere selbst.

Dennoch ist keine reine Fleischernährung notwendig um den Vierbeinern die nötigen Eiweißquellen zuzuführen.

Proteine bestehen überwiegend aus Aminosäuren und sind wichtiger Bestandteil lebender Materie. Diese Aminosäuren werden durch tierische Nahrung aufgenommen. Aber auch pflanzliche Aminosäuren können vom Körper genutzt werden auch wenn der Bedarf der Nahrungszufuhr hier bedeutend höher ist.

Da das Fleisch jedoch meist immer noch aus intensiver Tierhaltung stammt, das oft auch noch um die halbe Welt transportiert wird, müssen Alternativen aufgezeigt werden.

Wie kannst du deinen Hund alternativ ernähren und den Pfotenabdruck reduzieren?

Eine dieser Alternativen ist die Insekten-basierte Nahrung für Haustiere.

Insekten enthalten alle essentiellen Aminosäuren und einen hohen Anteil an B-Vitaminen, Mineralstoffen und Fettsäuren. Laut BVA, der britischen Tierarzt Gemeinschaft, ist ein aus Insekten bestehendes Tierfutter für Haustiere sogar besser als Premium-Fleisch.

Insekten sind wirbellose Tiere und haben kein uns ähnliches Schmerzempfinden. Die meisten Insekten besitzen keine Nozizeptoren, die für das Schmerzempfinden verantwortlich sind.

In einem Interview wies Simon Doherty, Präsident des BVA, darauf hin, dass es wichtig sei Alternativen zur rein tierischen Ernährung zu finden, die nicht zur großflächigen Abnutzung von Boden und Verschwendung von Wasser führen oder gar den Klimawandel noch beschleunigen.

Laut Protix, einer niederländischen Insektenfarm, benötigt Insekten-basiertes Tierfutter im Gegensatz zu Fleisch nur 2% Land und 4% Wasser pro Kilogramm Protein.

Außerdem kann eine Tonne Insekten in 14 Tagen auf 20m² Land gezüchtet werden, es werden keine Pestizide oder Dünger benötigt und nur wenig Treibhausgase ausgestoßen.

Grundsätzlich gelten Insekten auch bei der menschlichen Nahrung als Eiweißlieferant der Zukunft. Sie sind eine tolle Möglichkeit den Pfotenabdruck deines Hundes ganz einfach zu reduzieren.

Futter in Bio-Qualität

Aber neben der Insekten-basierten Tiernahrung gibt es auch noch andere Möglichkeiten um sein Haustier nachhaltig zu ernähren.

Bio-Futter wird mit Fleisch aus artgerechter Tierhaltung hergestellt. Dabei haben die Tiere mehr Platz zum Leben, besitzen einen Zugang zum Weideplatz und es besteht eine feste Regelung, welches Futter gegeben wird und welche Zusatzstoffe enthalten sein dürfen.

Leider sind die hohen Auflagen für Landwirte jedoch oft nicht zu meistern. Das führt dazu, dass Bio-Futter oft importiert wird. Im Hinblick auf den Klimaschutz kann das jedoch keine optimale Lösung sein.

Ein Mittelweg aus Bio-Ware und konventioneller Massentierhaltung ist das Futter aus artgerechter Tierhaltung. Hier wachsen die Tiere langsam und unter natürlichen Lebensbedingungen auf. Außerdem wird auf gentechnisch veränderte Futtermittel verzichtet.

Auch die vegane Lebensweise ist inzwischen in der Hundeernährung angekommen. Oft wollen Besitzer mit ihrem eigenen Lifestyle, der vielen gesundheitliche Vorteile bringt, auch ihren Vierbeinern etwas Gutes tun.

Hunde können alle nötigen Nährstoffe, im Gegensatz zu Katzen, die reine Karnivoren sind, auch aus pflanzlichen Quellen gewinnen.

Amerikanische Hersteller von veganem Hundefutter müssen sich an den Standards orientieren, die ihnen von der Association of American Feed Control Officials auferlegt werden. Damit wird sichergestellt, das auch bei dieser Ernährungsweise die grundlegenden Nährstoffe vom Tier aufgenommen werden.

Das Tierfutter enthält Protein aus Sojabohnen, Kartoffeln oder Erbsen und zusätzlich Vitamine, Mineralien und Aminosäuren wie beispielsweise Vitamin B12 und Calcium.

Dr. Lisa M. Freeman von der Universität in Tufts, Massachusetts, gibt jedoch zu bedenken, dass zur veganen Ernährungsweise von Hunden noch keine Langzeitstudien verfügbar sind.

Ein Veggietag in der Woche schadet jedoch keinem Hund und kann so ganz einfach den ökologischen Pfotenabdruck reduzieren.

Was ist nun der richtige Weg um den Pfotenabdruck deines Hundes zu reduzieren?

Ein wichtiger Schritt, den Individuen gehen können, ist bei sich und ihrem Haustier mit Alternativen für tierische Produkte zu arbeiten.

Das Verringern des CO₂ Ausstoßes der Massentierhaltung spielt eine große Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. In Deutschland waren 2016 für 59% aller Methan-Abgase die Land-, und demnach auch Tierwirtschaft, verantwortlich.

Wer sich noch nicht ganz von der tierischen Ernährung seines Hundes trennen möchte, kann aber beispielsweise einen vegetarischen Tag in der Woche einlegen. Wie bereits erwähnt, ist es dem Hund möglich, auch aus pflanzlichen Quellen die notwendigen Nährstoffe zu ziehen und ein gesundes Tier trägt von einem fleischlosen Tag pro Woche keinen Schaden.

Wir als Halter der Tiere können selbst beeinflussen, wie groß der ökologische Pfotenabdruck unserer Vierbeiner ist und, natürlich immer mit Blick auf die Gesundheit des Haustieres, entscheiden, wie es gefüttert wird.

Informiere dich auch gerne detaillierter über die möglichen Alternativen in unserem großen Hundefutter-Vergleich.

Und wer sich schon für eine Alternative entschieden hat, dem empfehlen wir unseren Beitrag zur Futterumstellung.

Jeder Einzelne kann aktiv etwas gegen den Klimawandel unternehmen und viele Tieren vor der Massentierhaltung und dem damit verbundenen Leid bewahren.

Die für den Text verwendeten Quellen findest du übrigens hier.

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