Ist der Hund ein Fleischfresser?

Ist der Hund ein Fleischfresser?

Seit Jahren hält sich das Gerücht, Wolf und Hund seien sich unglaublich ähnlich, weswegen man den Hund am besten genauso wie den Fleischfresser Wolf ernähren sollte.

Richtig ist, dass die beiden Tiere vom selben grauen Wolf abstammen, sind aber zu heutiger Zeit nicht mehr gleichzusetzen.

Außerdem ist es wichtig, schon einen Unterschied im Voraus zu klären: Hunde zählten grundsätzlich zu den Carnivore, den Fleischfressern, die sich hauptsächlich von tierischen Produkten ernähren. Der Wolf dagegen ist ein Carnivora, ein Raubtier (biologie-seite).

Aber auch diese Aufteilung stimmt nicht mehr zu 100%. Über die letzten 40 Jahren hat sich eine Glaubenslehre in der Wissenschaft entwickelt, die sich „Omnivorous Dog Dogma“ nennt und den Hund als einen Omnivoren ansieht. Diese Ansicht wird bereits in mehreren wissenschaftlichen Fachbüchern verwendet und anerkannt.

Was ist ein Omnivore im Vergleich zum Fleischfresser und warum zählt angeblich der Hund dazu?

Der Fachbegriff Omnivore beschreibt Tiere, die sich von tierischen und pflanzlichen Produkten ernähren und diese im Darm auch verdauen und verwerten können.

Wissenschaftler zählen den Haushund (canis familiaris) zu den Omnivoren, da er einen geringeren Protein-Bedarf hat. Und weil er ß-Karotin in Vitamin A und Linolsäure in Arachidonsäure umwandeln kann. Es ist ihm auch möglich, seinen Taurin Bedarf durch pflanzliche schwefelhaltige Aminosäuren zu gewinnen, im Gegensatz zu einer carnivoren Katze.

Das sind jedoch nicht die einzigen Gründe. Seit die Menschheit vor ca. 13.000 bis 17.000 Jahren angefangen hat, sesshaft zu werden und den Hund zu domestizieren, öffnete sich für die Tiere eine neue Futter-Nische, die sie so nicht kannten: die menschlichen Essensreste.

Der Organismus des Hundes hat angefangen, eine Vielzahl an Kopien des Amylase-Genes zu bilden, das es ihm möglich macht, Stärke besser zu verdauen. Darauf wird aber später noch eingegangen, wenn es darum geht, ob die Vierbeiner Gluten vertragen.

Was man aber daraus schließen kann ist, dass der Hund einen moderaten und anpassungsfähigen Stoffwechsel entwickelt hat.

Veränderungen hin zu den Omnivoren bei der Verdauung ist auch das sogenannte „protein sparing“. Dabei zieht der Körper Energie aus anderen Stoffen als Protein, beispielsweise aus Kohlenhydraten.

Außerdem sind Hunde in der Lage eine endogene Synthese von Niacin (Vitamin B3) durchzuführen. Diese beiden Vorgänge sind auch bei Ratten, Schweinen und dem Menschen zu beobachten, die zu den Allesfressern zählen.

Kann man Hunde vegan ernähren?

Ja, es ist möglich seinen Hund vegan zu ernähren. Auch wenn sich hartnäckig das Gerücht hält, je mehr Fleisch man füttere, desto besser ginge es dem Hund.

Ganz im Gegenteil: ernährt man einen Hund nur von Fleisch, zeigt das Tier schnell große Mangelerscheinungen. Warum? Es fehlen wichtige Nahrungskomponenten. Das Nahrungsspektrum des Hundes ist schon immer flexibler als das der Katze.

Auf was muss ich achten, wenn ich meinen Hund vegan ernähre?

  • Immer: Tierarzt oder Ernährungsberater miteinbeziehen
  • Oft brauchen Hunde Nahrungsergänzungsmittel wie Kalzium, Vitamin E und Vitamin B12
  • Gefahr der Mangelernährung, falls keine optimale Zusammensetzung der Nahrungsmittel stattfindet
  • Bei Welpen kann es zu Untergewicht und Problemen beim Knochenaufbau kommen

Die größte Angst bei veganer Ernährung des Vierbeiners dreht sich immer noch um den Proteingewinn. Grundsätzlich ist dem Hund egal, woher er sein Protein bekommt. Ob es nun tierisch oder pflanzlich ist, am Ende zählt nur, dass der Bedarf gedeckt ist.

Pflanzliches Protein kann der Vierbeiner beispielsweise aus Kartoffeln, Sojabohnen oder Erbsen gewinnen. Wie bereits erwähnt ist es dem Hund außerdem möglich „protein sparing“ zu betreiben; ein Prozess, bei dem er Proteine zur Energiegewinnung außen vorlässt und Kohlenhydrate dafür nutzt.

Fertigfutter aus dem Supermarkt hat durch den hohen Fleischgehalt oft auch einen hohen Proteingehalt. Dein Hund bekommt mehr Protein geliefert, als er eigentlich benötigt.

Eine Überversorgung kann sich belastend auf Leber und Niere auswirken. Außerdem führt eine hohe Proteinmenge zu Stress, Impulsivität und Übererregbarkeit.

Studie zur vegetarischen Ernährung

Brown et al. haben eine Studie zur vegetarischen Ernährungsweise mit 12 sibirischen Huskys durchgeführt. Die Huskys waren alle Rennhunde, die auch während der 16-wöchigen Studie weiterhin an Wettbewerben teilnahmen.

Die eine Hälfte der Tiere wurde mit Hundefutter aus dem Markt gefüttert, während die anderen Tiere vegetarisches Futter bekamen. Das vegetarische Futter enthielt unter anderem Sojabohnen und Mais.

Am Ende der Studie wurde festgestellt, dass alle Tiere in einwandfreier physischer Kondition waren. Das Team merkte jedoch noch an, dass es wahrscheinlich wichtig sei, besonders aktiven Hunden den Nährstoff Kreatin in ihre vegetarische Ernährung zuzugeben.

Wenn es um so einen Eingriff in die Nahrung des Tieres geht, sollte man natürlich grundsätzlich auf seinen individuellen Zweibeiner schauen, ob er es überhaupt verträgt und wie er darauf reagiert.

Ein guter Anfang wäre einen Veggie-Tag in der Woche einzuführen, das verändert auch nicht gleich die Ernährung des Hundes komplett. Als Halter kann man beobachten, wie das Tier darauf reagiert und hat zusätzlich einen wertvollen Beitrag für die Umwelt geleistet.

Falls nun dein Interesse für veganes Futter und vegane Snacks geweckt ist, viellicht für einen Veggie-Tag in der Woche, können wir dir die folgenden Produkte empfehlen:

Wieso gab die Evolution dem ursprünglichen Fleischfresser so viele Kopien des Amylase Genes?

Um diese Frage zu beantworten müssen wir ca. 13.000 – 17.000 Jahre in die Vergangenheit reisen. Zu dem Zeitpunkt, als sich der Mensch entschied, sesshaft zu werden. Menschen aßen in der Zeit, was sie auf ihrem Acker anbauen oder in der freien Wildbahn an Vieh jagen konnten. Die Nahrung enthielt viel Stärke.

Als der Hund anfing die Essensreste seiner Halter zu fressen musste sich sein Darm an die neue Nahrung anpassen. Um Stärke zu verdauen braucht der Organismus Amylasen, die von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet werden.

Die Amylase zerkleinert Stärke in Zucker, welcher als Energielieferant in den Blutstrom aufgenommen wird. Hunde können im Gegensatz zu Katzen bei stärkereicher Fütterung die Produktion von Amylase hochfahren.

Wie der Mensch auch, ist es Hunde aber nicht möglich Stärke roh zu verdauen. Die Verdaulichkeit von rohen Stärkeprodukten wie Reis, Haferflocken oder Mais liegt bei ca. 60%. Werden die Produkte gekocht liegt die Verdaulichkeit bei fast 100%.

 Fazit:
Der beste Freund des Menschen ist also laut der Wissenschaft kein richtiger Carnivore (Fleischfresser) mehr, man kann ihn vegetarisch bzw. vegan ernähren und außerdem verwertet und verdaut der Vierbeiner, im Gegensatz zu den Carnivora, Stärke ziemlich gut.

Die für den Text verwendeten Quellen findest du ürbigens hier.

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