Warum BARF nicht der Heilige Gral der Hundeernährung ist

Warum BARF nicht der Heilige Gral der Hundeernährung ist

Vegetarisch, Vegan, Insekten, Getreidefrei, BARFen – die Ernährung unserer Hunde ist inzwischen fast so vielseitig und vielschichtig wie die des Menschen.

Das ist natürlich gut so, denn daraus entfaltet sich die Möglichkeit, bei jedem Hund auf seine Individualität zu achten.

Egal ob das Alter, die Gesundheit, die Rasse oder etliche andere Gründe eine massive Rolle in der Ernährung des Vierbeiners spielen, man kann auf die meisten inzwischen achtgeben und das Futter entsprechend anpassen.

Es wäre also falsch von der einen richtigen „Diät“ zu sprechen, die für jeden Hund funktioniert. Dennoch gibt es natürlich immer Probleme und Gefahren der jeweiligen Ernährungsarten, die man nicht außen vorlassen sollte.

So ist das BARFen eine gute Idee, das Futter etwas natürlicher zu gestalten, da keine unnötigen Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker untergemischt werden. Außerdem kann man als Halter die Qualität des Futters selbst bestimmen.

Dennoch gibt es auch Probleme und Gefahren, die angesprochen werden sollten.

Was ist eigentlich BARFen?

BARF kommt ursprünglich aus dem englischen und bedeutet „Biologically Appropriate Raw Food“ (biologisch artgerechte Fütterung von Hunden). Es wurde 1993 von Ian Billinghurst, einem australischen Tierarzt, eingeführt.

Bei dieser Ernährungsform werden die Tiere mit rohem Fleisch, Obst und ungekochtem Gemüse, sowie Knochen gefüttert. Die Futterportionen werden außerdem mit Ölen, Getreide und manchmal auch Nahrungszusätzen zubereitet.

Auf Fertigprodukte wird insgesamt verzichtet. Grund für die Art der rohen Ernährung sind zwei Hintergedanken:

Einerseits soll das BARFen sich positiv auf die Gesundheit des Hundes auswirken. Die Tiere seien gesünder und fitter, da durch das Kochen natürliche Nährstoffe (Vitamine und Mineralstoffe) zerstört werden würden.

Andererseits soll diese Ernährung die natürliche Form für Vierbeiner sein, da der Wolf auch nur rohes Fleisch in der Natur fressen würde. Ob das wirklich stimmt werden wir uns jetzt genauer anschauen.

Hund = Wolf?

Wie wir bereits in unserem Artikel „Ist der Hund ein Fleischfresser?“ erklärt haben, wird der Hund in der Wissenschaft inzwischen eher zu den Omnivoren als den Carnivoren gezählt. Das hat verschiedene Gründe:

Der heutige Hund und heutige Wolf sind inzwischen nicht mehr gleichzusetzen. Es stimmt, dass sie den gleichen Vorfahren haben. Durch die Domestizierung des Hundes hat sich jedoch sein Organismus im Gegensatz zu dem des Wolfes stark verändert.

So hat der Hund zum Beispiel einen geringeren Protein-Bedarf als Carnivoren. Außerdem hat der Organismus des Hundes angefangen, Amylase-Gene zu bilden. Das erlaubt dem Hund, Stärke, und somit menschliche Essensreste, gut zu verdauen. Es gibt zahlreiche weitere Veränderungen, die den Hund vom Wolf wegentwickelt haben, die genauen Erklärungen könnt ihr dem oben genannten Artikel entnehmen.

Häufig wird auch das Argument angeführt, der Hund habe einen kurzen Verdauungstrakt. Dieser erschwere es ihm, pflanzliche Lebensmittel zu verdauen. Betrachtet man jedoch die verschiedenen Darmlängen von Carnivoren (Fleischfresser), Omnivoren (Allesfresser) und Herbivoren (Pflanzenfresser) im Verhältnis zur Körpergröße, fällt einem die Ähnlichkeit zwischen Hund und Mensch sofort auf.

  • Katze (Carnivor) 3:1
  • Mensch (Omnivor) 6:1
  • Schaf (Herbivor) 24:1
  • Hund 6,8:1

Es stellt sich also die Frage, ob ein Konzept, das sich an der Ernährung des Wolfes orientiert, tatsächlich geeignet, ist einen Hund für ihn passend zu ernähren.

Welche Probleme können beim BARFen auftreten?

1. Nährstoffunter- bzw. überversorgungen

Da die Futterportionen beim BARFen meist vom Halter selbst gemischt werden, kann es leicht zu Nährstoffmangel kommen. Der Nährstoffbedarf des individuellen Hundes muss präzise ausgerechnet und befolgt werden, da man sich schnell auch mal verrechnen kann.

Das größte Problem beim Barfen ist, dass ein Protein- und Phosphorüberschuss entstehen kann. Fleisch allein reicht nämlich nie, um eine ausgewogene Ernährung zu erreichen.

Es ist außerdem wichtig das Proteinverhältnis, je nachdem welches Fleisch man nutzt, neu auszurechnen und die Futterportionen anzupassen.

Durch einen Proteinüberschuss können viele Nachteile für den Organismus des Hundes entstehen. Das ist auch einer der Gründe, warum Tierärzte ungern eine Barf-Ernährung empfehen.

Außerdem kommt es immer öfter vor, dass ein durch BARF ernährter Hund einen Mangel an Ballaststoffen vorweist. Manche BARF-Befürworter argumentieren, dass bei einem Futter mit Ballaststoffen die anderen Nährstoffe schlechter verdaut werden.

Das ist aber nur bedingt wahr. Es gibt zwei Arten von Ballaststoffen:

  • Fermentierbare (lösliche) Ballaststoffe: Zellulose, Pektine oder Frukto-Oligo-Saccharide (= Obst und Gemüse)
  • Nicht fermentierbare (nicht lösliche) Ballaststoffe: bspw. Lignin (= Holz und Algen)

Fermentierbare Ballaststoffe beeinträchtigen die Verdauung nicht und sind für den Organismus sogar sehr wichtig, damit die Verdauung überhaupt geregelt abläuft.

Gibt es zu wenig Ballaststoffe im Organismus können Verdauungsbeschwerden auftreten. Ein Hundefutter, das zum Großteil nur aus Fleisch besteht, kann also nur bedingt gesund für den Hund sein.

Warum ist zu viel Protein schädlich?

Um diese Frage zu beantworten ist es erst einmal wichtig zu verstehen, was Proteine genau sind.

Eiweiße gehören zu den wichtigsten Bausteinen des Körpers und sind aus Aminosäuren aufgebaut. Ob ein Protein eine hohe Qualität aufweist definiert sich über die Zusammensetzung der jeweiligen Aminosäuren. Zum jetzigen Standpunkt sind 22 verschiedene Aminosäuren bekannt und die meisten davon kann der Hund selbst bilden.

Essenzielle Aminosäuren, die der Organismus jedoch nicht herstellen kann, müssen über die Nahrung geliefert werden. Zu diesen gehören beispielsweise Arginin, Histidin, Leucin, Phenylalanin und Tryptophan. Proteine fungieren als Hauptbestandteil der Muskulatur und Gewebe (bspw. Haut, Haare, Blut und Organzellen).

Die Verdauung von Eiweißen findet über den Darm statt:

  • Darmeigene Enzyme + Enzyme der Bauchspeicheldrüse spalten Proteine in einzelne Aminosäuren

Wichtig ist bei Proteinen die Verdaulichkeit; dauert es zu lange, das Eiweiß zu spalten, gelangt es in den Dickdarm ohne genutzt zu werden und bringt dem Hund keinen Vorteil. Umstände wie Krankheiten, Rekonvaleszenz, Trächtigkeit und Laktation können den Eiweißbedarf des Tieres erhöhen.

Hochwertige Eiweißquellen sind in Muskelfleisch, Milchprodukten, Eiern, Fisch, Kartoffeleiweiß oder Haferflocken zu finden. Proteine sind für Mensch und Tier lebensnotwendig, können jedoch im Exzess Nachteile mit sich bringen.

Was passiert durch einen Protein-Überschuss im Organismus?

Durch eine sehr fleischreiche Ernährung mit einer Überversorgung an Proteinen kann es bei Tieren zu Übergewicht kommen.

Einerseits liegt es daran, dass Proteine meist in sehr kalorienhaltigen Nahrungsbestandteilen vorhanden sind.

Andererseits fängt der Körper an, Eiweiß in Fett umzuwandeln, wenn zu viel davon vorhanden ist. Das daraus entstandene Fett wird in Depots gespeichert. Die längerfristigen Folgen von Übergewicht können Diabetes, Herzkrankheiten, Arthritis und sogar Krebs sein.

Durch die Umwandlung von überschüssigem Protein in Fett entsteht eine Art Teufelskreis im Körper des Vierbeiners. Ein erhöhter Fettanteil beeinflusst den Proteinbedarf. Je mehr Fett im Körper vorhanden ist, desto mehr Protein wird gefordert, da sonst kein ausgewogenes Stickstoffverhältnis besteht.

Wird jedoch der Stickstoffanteil im Organismus ebenfalls erhöht muss dieser in Ammoniak umgewandelt und über die Niere ausgeschieden werden. Durch die Belastung des Organs mit giftigen Abbauprodukten werden Nierenprobleme gefördert.

Ein erhöhtes Proteinlevel kann sich zusätzlich auch auf die Stimmung und das Verhalten des Tieres auswirken. Aminosäuren werden vom Organismus in Neurotransmitter, wie Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin, umgewandelt.

Gibt es also ein zu hohes Angebot an Aminosäuren wirkt sich das auch negativ auf das Angebot von Neurotransmittern aus.

  • Vor Umwandlung zu Neurotransmittern muss die Blut-Hirn-Schranke überwunden werden

Die beiden Aminosäuren Tryptophan und Phenylalanin konkurrieren um die Umwandlung, wenn ein Überschuss an Aminosäuren vorhanden ist.

TryptophanPhenylalanin

Bildet Serotonin (= Glückshormon)

Hat es schwer bei der Umwandlung

Bildet Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin

Hat es leicht bei der Umwandlung


Je mehr Aminosäuren sich im Blut befinden, desto höher ist der Anteil an Phenylalanin, was Gefahren birgt. Adrenalin und Noradrenalin sind Stresshormone. Dopamin fördert Impulsivität und Erregbarkeit. Ein Proteinüberschuss kann das Verhalten deines Vierbeiners also negativ beeinflussen.

Das grundsätzliche Problem ist, dass die Futtermittelproduktion das Protein-Level in Tierfutter immer weiter pusht. Vor allem durch den jetzigen „getreidefrei“-Trend greift eine Vielzahl an Hundebesitzern zu fleischhaltigen Produkten. Das endet meist in einem Protein-Überschuss. 

2. Knochen und ihre Gefahren

Zu den Futterportionen beim Barfen gehören auch Knochen. Sie gelten zwar als Mineralstofflieferant und Zahnsteinentferner, harte Knochen können aber jedoch das Gegenteil bewirken und dem Gebiss eher Schäden zuführen.

Durch das Fressen von harten Knochen kann sich außerdem auch der Kot der Tiere verhärten und wird zum sogenannten Knochenkot. Dieser steigert die Wahrscheinlichkeit für Obstipationen (Verstopfungen) und Verletzungen im Inneren des Tieres. Im schlimmsten Fall kann er womöglich auch zu einem Darmdurchbruch führen.

Welche Knochen sind zu meiden?

  • Knochen alter Tiere
  • Geflügelknochen
  • Röhrenknochen

Der Grund hierfür ist, dass diese Knochen sehr leicht splittern und das Tier im Mundraum, Rachen oder Darm verletzen könnten.

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3. Krankheitserreger

Ein großer Nachteil, den BARF mit sich bringt, ist die mögliche Kontaminierung des rohen Fleisches.

Während Keime, Bakterien, Viren oder Parasiten durch das Abkochen des Fleisches meist sterben, beziehungsweise inaktiv werden, können sie sich auf rohem weitervermehren und den Hund befallen.

Diese Krankheitserreger werden oft über Kot-Rückstände aufgenommen. Wie aber gelangen sie in den Hund, aber nicht in den Wolf, der sich ja auch von rohem Fleisch ernährt?

  • Der Wolf ernährt sich von freilaufendem Wild, das im Normalfall nicht in der Nähe von Fäkalien grast.
  • Schlachttiere, die wenig Platz im Stall und auf der Weide haben, grasen mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Nähe von Fäkalien.

Durch die Massentierhaltung gelangen Krankheitserreger in den Organismus der Schlachttiere. Wird deren Fleisch roh an Haustiere verfüttert kann es gut sein, dass die Vierbeiner auch befallen werden.

Sterben Krankheitserreger in der Tiefkühltruhe?

Oft wird das Argument aufgeführt, dass Keime, Bakterien, Viren und Parasiten bei Temperaturen von -18°C absterben würden.

Leider entspricht das jedoch nicht der Wahrheit. Michael Blaut, Mikrobiologe an dem Deutschen Institut für Ernährungswissenschaften in Potsdam, bestätigt, dass die meisten Krankheitserreger bei niedrigen Temperaturen nicht mehr aktiv sind oder sich vermehren können. Sobald das Fleisch jedoch die Tiefkühlung verlässt und auftaut, werden die Krankheitserreger wieder aktiv und vermehren sich.

Warum ist dann tiefgefrorenes Obst oder Gemüse nicht von Bakterien oder Keimen befallen? Gemüse und Obst wird vor dem Einfrieren kurz blanchiert, das heißt, dass es bei hohen Temperaturen kurz erhitzt und dann erst eingefroren wird.

Rohes Fleisch wird jedoch keiner Hitze ausgesetzt, bevor es in die Tiefkühlung gebracht wird.

  • Wichtig: Für das Tiefkühlen wird das Fleisch luftdicht in Plastik verpackt. Zum Auftauen darf es jedoch nicht luftdicht verschlossen sein, da sich Keime wie Clostridien unter Luftabschluss vermehren.

Salmonellen

Salmonellen sind Bakterien, die sich vor allem auf rohem Fleisch und rohen Eiern befinden. Die von Salmonellen ausgehende Gefahr ist, dass der Hund keine Symptome zeigen muss, diese aber an die Menschen im Haushalt übertragen kann. Salmonellen lösen Lebensmittelinfektionen aus, indem sie sich im Magen-Darm-Trakt vermehren.

Symptome
  • Durchfall
  • Kopf- und Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Fieber

Überträgt es der Hund auf seine Umwelt, sind vor allem Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und immunschwache Personen gefährdet. Bei ihnen kann es zu viel schwerwiegenderen Krankheitsverläufen kommen, wie beispielsweise der Blutstrominfektion. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann der Verlust von Flüssigkeit zu einem Kreislaufkollaps, Nierenversagen und selten auch zum Tod führen.

Salmonellen werden durch das Einfrieren in der Tiefkühltruhe nicht abgetötet, erst durch das Erhitzen auf 70°C sterben die Bakterien.

Escherichia Coli

Escherichia Coli, ebenfalls Bakterien, befinden sich im Darm von Wiederkäuern, wie Rind, Schaf, Ziege, Reh und Hirsch. E. Coli produzieren Giftstoffe, die meist nicht zu einer Erkrankung des befallenen Tieres führen, aber auf Menschen übertragen werden können.

Die Bakterien werden mit dem Kot der Tiere ausgeschieden und können mehrere Wochen in der Umwelt überleben. Rohes Fleisch ist oft mit Escherichia Coli Bakterien belastet.

Symptome
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen und Übelkeit
  • Erbrechen


Auch hier bedroht der Krankheitserreger vor allem Säuglinge, Kleinkinder, ältere und immunschwache Menschen. Im Kindesalter können Escherichia Coli zum hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) führen. Diese Komplikation kann sich im schlimmsten Falle in mehreren Störungen äußern:

  • Blutgerinnungsstörungen
  • Zerstörung von roten Blutkörperchen
  • Funktionsstörung der Nieren (oft Dialysebehandlung benötigt)
  • Neurologische Veränderungen (bspw. Krampfanfälle)
  • Selten führt HUS auch zum Tod

Campylobacter

Campylobacter sind Bakterien, die vor allem in der warmen Jahreszeit auftreten und im Verdauungstrakt von Tieren leben. Oft, wie auch bei den E. Coli, erkranken die befallenen Tiere nicht selbst daran, können es aber an Menschen übertragen. In Deutschland sind Campylobacter die häufigsten bakteriellen Erreger von Durchfall Erkrankungen.

Die Bakterien sind meist auf Geflügelfleisch vorhanden. Während sie sich nicht auf Lebensmitteln vermehren können besitzen sie jedoch die Fähigkeit in der Umwelt über einen längeren Zeitraum zu überleben. Gefährlich ist hier, neben dem Kot der Tiere, auch eine mangelnde Hygiene in der Küche.

Symptome
  • Fieber
  • Kopf- und Muskelschmerzen
  • Heftige Bauchkrämpfe
  • Übelkeit
  • Durchfall


Auch von Campylobacter sind Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr am meisten betroffen. Komplikationen können zu rheumatischen Gelenkentzündungen oder Hirnhautentzündungen führen und in seltenen fällen auch zu neurologischen Erkrankungen (bspw. Guillain-Barré-Syndrom).


Pseudowut

Pseudowut, umgangssprachlich genutzt für die Aujeszkysche Krankheit, ist eine Tierseuche. Sie besitzt eine geringe Pathogenität für den Menschen, endet aber beim Tier fast immer im Tod. Der eigentliche Wirt der Krankheit sind Schweine und Wildschweine, auf Hunde wird die Pseudowut durch Kontakt zu rohem Fleisch übertragen.

Der Virus gelangt bis in das Zentrale Nervensystem des befallenen Hundes und ruft nervöse Krankheitssymptome hervor, wenn Neuronen beschädigt wurden. Außerdem kommt es schnell zu Gehirn- und Rückenmarksentzündungen.

Symptome
  • Verhaltensänderungen
    → Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit
  • Starker Juckreiz
  • Krämpfe und Lähmungen
  • Fieber

EXKURS: STUDIEN ZUR BARF-ERNÄHRUNG

In den letzten Jahren gab es mehrere Studien, die sich mit der BARF-Ernährung und der möglichen Kontamination von rohem Fleisch durch Krankheitserreger befasst haben.

Bevor es zu Verwirrung kommt, ein kurzer Zusatz: Für alle Studien gilt, dass einzelne Futterproben natürlich von mehr als einem Keim befallen sein können. Deswegen erreichen die genannten Prozentzahlen oft mehr als 100%.

  1. Studie der Universität Zürich (Schweiz)

Für die Studie, die 2019 im Fachjournal Royal Society Open Science veröffentlicht wurde, haben Forscher der Universität Zürich 51 Barf-Futterproben auf Keime untersucht. 31 der Proben stammten aus der Schweiz, die restlichen 20 aus Deutschland. Das aufbereitete Fleisch war unter anderem vom Rind, Huhn, Pferd, Lamm und Truthahn. Sie fanden:

  • Salmonellen in 2 Proben (4%)
  • Antibiotika resistente Bakterien in 32 Proben (63%)

Link: https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsos.191170

  1. Studie der Universität in Utrecht (Niederlande)

Die Studie wurde 2018 im Fachjournal VetRecord veröffentlicht und von der Universität Utrecht, mit Hilfe des niederländischen staatlichen Instituts für Gesundheit und Umwelt, durchgeführt. Es wurden 35 kommerzielle Futterproben von 8 verschiedenen Herstellern auf Krankheitserreger untersucht. Die Forscher der Universität Utrecht fanden:

  • Antibiotika resistente Bakterien in 28 Proben (80%)
  • Listerien in 19 Proben (54%)
  • Escherichia Coli in 8 Proben (23%)
  • Salmonellen in 7 Proben (20%)

Auch Parasiten wie Sarcocystis cruzi und Toxoplasma gondii konnten gefunden werden, diese sind durch die Tiefkühlung der Futterproben aber inaktiv.

Link: https://veterinaryrecord.bmj.com/content/182/2/50

  1. Studie zweier Universitäten in Uppsala (Schweden)

Die schwedische Studie wurde 2019 auch im Fachjournal VetRecord veröffentlicht. Die Forscher untersuchten insgesamt 60 Hundefutterarten von 10 verschiedenen Herstellern aus Deutschland, Norwegen, Finnland, England und Schweden. Das Futter enthielt entweder Organe, verzehrbare Knochen oder rohes Fleisch. Für die verschiedenen Futtersorten wurden Rind, Huhn, Lamm, Truthahn, Schwein, Ente, Rentier oder Lachs verwendet. Zusätzlich wiesen manche Futterproben noch Gemüse, Mineralien oder Ballaststoffe auf. Die Forscher fanden:

  • Escherichia Coli in 20 Proben (33%)
  • Perfringens in 18 Proben (30%)
  • Salmonellen in 4 Proben (7%)
  • Campylobacter in 3 Proben (5%)

Link: https://veterinaryrecord.bmj.com/content/184/14/442.full

4. Auswirkungen auf die Umwelt

Innerhalb der letzten 50 Jahre hat sich der Fleischkonsum verdoppelt, da die Fleischpreise immer niedriger wurden und der Konsum stark anstieg.

Inzwischen kommt fast jedes Stück Fleisch von einem Tier, das nicht gut behandelt wurde. Das Fleisch kostet mittlerweile so wenig, dass Bauernbetriebe mit artgerechter Tierhaltung nicht mehr mitziehen können.

Wie schafft es die Massentierhaltung, den Preis so niedrig zu halten?

  • Immer mehr Tiere pro Betrieb
  • Stall- und Weidefläche werden nicht vergrößert

Gerade das Konzept des BARFens stellt auf einen hohen Fleischanteil ab, der vor allem aus qualtitiv hochwertigen Teilen des Nutztieres bestehen soll. Denn im Laufe der letzten Jahre galt es irgendwann als „verpönt“ für den Hund nur die Schlachtreste zu nutzen. Jetzt ist der Hund bereits ein Konkurrent zum Menschen, wenn es um qualitativeres Fleisch für das Futter geht.

Das Fleisch, das also früher noch für den Menschen bestimmt war, wird inzwischen auch für unsere Haustiere genutzt, gerade beim BARFen. Die Nachfrage steigt stark, weswegen auch die Anzahl an Masttieren pro Betrieb immer weiter in die Höhe schießt. Die Stall- und Weideflächen werden im Normalfall jedoch nicht vergrößert.

Zudem darf man nicht vergessen, dass fast jedes BARF-Produkt luftdicht verschlossen in Plastik eingepackt wird. Das ist natürlich wichtig, um Hygiene zu gewährleisten und die Haltbarkeit zu verlängern. Dazu werden die meisten BARF-Produkte online als TK-Ware gekauft. Damit die Produkte tiefgekühlt beim Kunden ankommen ist neben der eigentlichen Verpackung ein erhöhter Materialaufwand notwendig. Die Plastikverpackung und der weitere Materialaufwand belastet unsere Umwelt zusätzlich.

Treibhausgas Emissionen durch BARF-Hundefutter?

Aber nicht nur beim Fleisch-Produkt selbst konkurriert der Hund mit seinem Halter. Auch wenn es um (negative) Auswirkungen auf die Umwelt geht, spielt der Hund und seine Nahrung eine immer größer werdende Rolle.

67% der gesamten menschenverursachten stickstoffhaltigen Klimagase und Kohlendioxid, sowie 37% des weltweiten Methanausstoßes stammen aus der Massentierhaltung. Tierfutter ist inzwischen zu ¼ mit verantwortlich für die Auswirkungen der Fleischindustrie auf die Natur. Hier rechnet man Landnutzung, Wasser, Phosphate und Pestizide, sowie fossile Brennstoffe mit ein. Alles, was für die Herstellung der Nahrung benötigt wird.

Jeder weiß, dass Fleisch und tierische Produkte hohe Emissionen an Treibhausgasen verursachen. So hat 1kg tiefgekühltes Rindfleisch einen CO-Fußabdruck von ca. 14,34kg (Immo). Warum sind diese Zahlen so hoch?

  • 77% des weltweiten Ackerlandes wird für Fleischproduktion genutzt
  • Wiederkäuer emittieren Methangas, das viel schlimmer ist als CO
  • Hoher Wasserverbrauch der Masttiere (Rind = 15.415l pro kg Fleisch)
  • Tierische Exkremente verschmutzen das Grundwasser

Pro Jahr benötigt ein ausgewachsener, normal großer Hund um die 164kg Fleisch. Bei einer BARF-Ernährung kommen hier noch einige Kilogramm dazu Lebt dieses Tier dann 12 Jahre lang hat er insgesamt einen ökologischen Pfotenabdruck von 4.01-26.28gha. Wenn du mehr über den ökologischen Pfotenabdruck deines Vierbeiners erfahren möchtest, ist unser Blogbeitrag Der ökologische Pfotenabdruck ein guter Anfang.

FAZIT

Wie bereits erwähnt gibt es nicht die eine richtige Art und Weise, seinen Vierbeiner zu ernähren. Und gerade bei festen Konzepten wie des BARFens sollte man genau hinschauen, ob es für den eigenen Hund tatsächlich geeignet ist.

Der hohe Fleischanteil, die rohe Konsistenz und die eigenständige Zusammenstellung bergen Gefahren, die man auf jeden Fall bedenken sollte.

 

Die für den Text verwendeten Quellen findest du ürbigens hier.

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